🐺 Autismus trifft Pubertät
🌱 Plötzlich verändert sich alles!
Die Pubertät bringt für jeden jungen Menschen Veränderungen mit sich. Der Körper verändert sich, Gefühle werden intensiver, Freundschaften verändern sich und plötzlich erwarten Erwachsene immer mehr Selbstständigkeit.
Für autistische Jugendliche kann diese Zeit besonders herausfordernd sein.
Denn wenn Veränderungen ohnehin schwerfallen, kann sich die Pubertät manchmal anfühlen, als würde jemand die vertrauten Regeln des Lebens neu schreiben.
🐺 Nero sagt:
„Wenn gerade alles durcheinander ist, bedeutet das nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt. Dein Körper und dein Gehirn haben gerade unglaublich viel zu verarbeiten.“
🧠 Autismus verschwindet in der Pubertät nicht
Ein autistisches Kind wird nicht plötzlich „weniger autistisch“, nur weil es älter wird.
Manche Besonderheiten verändern sich. Jugendliche entwickeln neue Strategien und lernen sich selbst besser kennen. Gleichzeitig können Anforderungen in Schule, Familie und Freundschaften deutlich größer werden.
Etwas, das früher gut funktioniert hat, kann plötzlich wieder schwierig werden.
Das ist nicht automatisch ein Rückschritt.
🌋 Gefühle können intensiver werden
Hormone, körperliche Veränderungen und neue soziale Erwartungen können starke Emotionen auslösen.
Wut, Traurigkeit, Angst, Freude oder Verliebtheit können sich überwältigend anfühlen. Gleichzeitig fällt es manchen autistischen Jugendlichen schwer zu erkennen oder zu benennen, was sie gerade fühlen und warum.
Dann braucht es nicht unbedingt:
„Beruhige dich endlich!“
Sondern eher:
„Ich sehe, dass gerade etwas zu viel ist. Was würde dir helfen?“
🔊 Wenn Reize plötzlich noch anstrengender werden
Geräusche, Gerüche, Berührungen, Menschenmengen oder bestimmte Kleidungsstücke können während dieser Lebensphase besonders belastend sein.
Hinzu kommen neue Körperempfindungen:
Schwitzen, Körpergeruch, Körperbehaarung, Menstruation, Stimmbruch oder Hautveränderungen.
Für einen Menschen mit ausgeprägter sensorischer Empfindlichkeit können diese Veränderungen eine echte Herausforderung darstellen.
🚿 Körperpflege wird wichtiger – und manchmal schwieriger
Duschen, Haarewaschen, Deo, Zähneputzen und einiges mehr, gehören zunehmend zum Alltag.
Doch genau diese Dinge können unangenehme Sinneseindrücke verursachen.
Statt daraus einen Machtkampf zu machen, können individuelle Lösungen helfen: reizärmere Pflegeprodukte, klare Abläufe, visuelle Schritt-für-Schritt-Pläne oder ausreichend Zeit.
🪞 Mein Körper gehört mit
Pubertät bedeutet auch, den eigenen Körper neu kennenzulernen.
Autistische Jugendliche brauchen genauso wie alle anderen Jugendlichen verständliche und altersgerechte Informationen über:
Körper, Sexualität, Privatsphäre, persönliche Grenzen, Zustimmung und Beziehungen.
Dabei sollten Regeln nicht nur vermittelt, sondern auch erklärt werden.
Ein besonders wichtiger Satz lautet:
„Nein bedeutet Nein – auch dein Nein.“
🧑🤝🧑 Freundschaften werden komplizierter
In der Kindheit kann Freundschaft noch bedeuten:
„Wir spielen beide Minecraft.“
In der Pubertät entstehen kompliziertere soziale Regeln, Gruppendynamiken, Ironie, Flirten und unausgesprochene Erwartungen.
Das kann verwirrend sein.
Ein Jugendlicher kann sich Freundschaften sehr wünschen und trotzdem Schwierigkeiten haben, diese sozialen Signale zu verstehen.
Das bedeutet nicht, dass er keine Beziehungen möchte.
🎭 Masking kann zunehmen
Gerade Jugendliche möchten dazugehören.
Manche autistische Jugendliche beginnen deshalb stärker zu beobachten, wie andere sprechen, sich kleiden oder verhalten, und passen sich bewusst an.
Dieses Masking kann kurzfristig helfen, weniger aufzufallen. Dauerhaft kann das ständige Anpassen jedoch sehr erschöpfend sein.
Ein Jugendlicher, der in der Schule scheinbar „prima funktioniert“, kann zu Hause vollkommen erschöpft sein.
🏫 Schule + Pubertät + Autismus
Auch die Schule verändert sich.
Mehr Fächer.
Mehr Lehrer.
Mehr Hausaufgaben.
Mehr Selbstorganisation.
Mehr soziale Erwartungen.
Gleichzeitig erwartet die Umwelt häufig:
„Du bist doch jetzt groß.“
Aber älter werden bedeutet nicht automatisch, dass Unterstützungsbedarf verschwindet.
Unterstützung sollte sich mitentwickeln, nicht einfach wegfallen.
🏡 Rückzug ist nicht automatisch Ablehnung
Jugendliche brauchen zunehmend Privatsphäre.
Für autistische Jugendliche kann das eigene Zimmer oder ein anderer sicherer Rückzugsort zusätzlich wichtig sein, um Reize zu verarbeiten und neue Energie zu bekommen.
Rückzug kann deshalb bedeuten:
„Ich muss mich regulieren.“
und nicht:
„Ich will nichts mit euch zu tun haben.“
❤️ Was Jugendliche jetzt besonders brauchen
Sie brauchen Erwachsene, die zuhören, ohne sofort zu bewerten. Klare und verständliche Kommunikation hilft ebenso wie verlässliche Strukturen und gleichzeitig zunehmende Mitbestimmung.
Vor allem brauchen sie Respekt vor ihren Grenzen.
Denn das Ziel der Pubertät sollte nicht sein, aus einem autistischen Jugendlichen einen möglichst unauffälligen Erwachsenen zu machen.
Das Ziel ist, dass ein junger Mensch lernen kann:
Wer bin ich? Was brauche ich? Was kann ich? Und wie kann ich für mich selbst eintreten?
🐺 Neros Gedanke
„Erwachsenwerden bedeutet nicht, dass du plötzlich alles alleine können musst. Du darfst wachsen und trotzdem Unterstützung brauchen. Du darfst Grenzen haben, Fehler machen und herausfinden, wer du bist.“
💜 Anders wachsen ist auch wachsen.
Verstehen. Begleiten. Gemeinsam stark. 🐺♾️